A A A
02.07.2011

„Manchmal bin ich nur Passagier“


Mikael Carlson ist so etwas wie der geistige Enkel des „Roten Barons“: Airshows in ganz Europa reißen sich um seinen Nachbau eines Fokker Dreideckers Dr.1. Vom berühmtesten Jagdflugzeug des Ersten Weltkriegs existiert nämlich kein einziges Original mehr. Im Interview gewährte der 52-jährige Schwede Einblick in seine nicht immer ganz einfache Liebe zu einem Flugzeug, dessen Original über 40 Jahre mehr am Buckel hat als sein Pilot.  

Herr Carlson, wie viele Arbeitsstunden haben Sie in die Fokker Dr. 1 gesteckt?  

Ich habe längst zu zählen aufgehört. Insgesamt dauerte es drei Jahre, das Flugzeug aus dem Nichts aufzubauen. Das ist nicht viel. Allerdings habe ich ein Jahr lang fast rund um die Uhr daran gearbeitet.  

Ist der Applaus bei den Airshows für Sie die verdiente Belohnung für diese Mühe?  

Der ist das Sahnehäubchen. Die wahre Belohnung ist die Gewissheit, alle technischen Probleme überwunden und das Ding tatsächlich zum Fliegen gebracht zu haben.  

Wie fliegt sich eine Maschine, die sich am technischen Stand von 1917 befindet? 

Jedenfalls wesentlich weniger langweilig als ein modernes Flugzeug, das immer genau das tut, was man von ihm verlangt. Bei der Fokker ist das nicht immer der Fall. Sie hat Charakter und ihren eigenen Kopf. Das größte Abenteuer ist das Landen, weil sie weder Bremsen noch eine Lenkung hat: Beim Ausrollen bin ich nur noch Passagier meines Flugzeugs.  

War das auch beim Herflug so?  

Meine Fokker kam in drei Teilen im Anhänger meines Volvos nach Zeltweg. Wären wir von Schweden hierhergeflogen, wäre ich nicht rechtzeitig da gewesen.